fellidas Welt

Zum neuen Jahr

Zum neuen Jahr

Zu Neujahr

Will das Gl├╝ck nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begr├╝├čt,
doch vor allen Dingen
Das, worum du dich bem├╝hst
m├Âge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Simples Neujahrslied

Vor├╝ber ist das alte Jahr,
Ich w├╝nsche Gl├╝ck zum neu’n!
Was euch das alte noch nicht war,
Soll euch das neue sein.

Ich greife zu dem vollen Glas,
Und trink es aus und sag,
Ich w├╝nsche jedem alles, was
Er selbst sich w├╝nschen mag.

Ich w├╝nsch euch alles, was auch euch
Befriediget und reizt,
Und dass mit euern W├╝nschen sich
Der meinen keiner kreuzt!

So treten wir ins neue Jahr
Getrosten Mutes ein –
Und was im alten noch nicht war,
Erf├╝lle sich im neu’n!

(Ludwig Eichrodt, 1827-1892)

Mein Weihnachten

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Da las ich heute auf dem Heimweg in dem sch├Ânen Blog kleinerdrei.de. Viele Menschen berichten, was ihnen Weihnachten bedeutet (oder auch nicht bedeutet) und welche Erinnerungen sie mit dem Fest verkn├╝pfen. Und schon fangen auch meine eigenen Gedanken an zu kreisen.

Weihnachten hat sich ver├Ąndert, keine Frage. Wo fr├╝her die Vorfreude ├╝berwog, rast heute die Zeit im vorweihnachtlichen Stress dem Jahresende entgegen. Und kaum habe ich mich einmal umgedreht und bin zur Ruhe gekommen, ist das Fest schon wieder vorbei.

Das war nicht immer so. F├╝r mich war Weihnachten schon immer ein Fest der Familie.
Als kleines Kind wohnten meine Eltern, mein Bruder und ich gemeinsam mit meiner Oma und meiner Tante in einer gro├čen Wohnung. Wenn die Geburtstagskaffeetafel meiner Tante aufgel├Âst war, machten wir alle gemeinsam einen langen Spaziergang. Jetzt war Geburtstag vorbei und Weihnachten begann. Wir liebten es, zu fensterln. ├ťberall konnten wir die festlich geschm├╝ckten B├Ąume bewundern, hier und da sahen wir die Menschen zusammensitzen.

Meist hat der Gang zu lange gedauert und wir haben den Weihnachtsmann verpasst. Zum Gl├╝ck war er uns nicht b├Âse und hat uns den Sack mit den Geschenken vor die T├╝r gestellt.

Es geht die Geschichte, dass in einem Jahr tats├Ąchlich mal der Weihnachtsmann zu Besuch war. Als die Geschenke verteilt und der Gast gegangen war, ├Ąu├čerte ich die Beobachtung, dass der Weihnachtsmann genau so eine Uhr hatte, wie meine Tante. Und ├╝berhaupt, wo war die nur so lange geblieben? Jaja, aufmerksame Kinderaugen. Aber eins und eins nicht zusammengez├Ąhlt.

Als ich eingeschult wurde, konnten meine Eltern und wir Kinder endlich eine eigene Wohnung beziehen. Fortan kamen Gro├čmutter und Tante nach dem Geburtstagskaffee immer mit zu uns. Und blieben ├╝ber die Feiertage. Ich werde nie den Zauber des ersten Weihnachtstages vergessen. Mein Vater knackte N├╝sse, meine Oma sa├č mit einer gro├čen Sch├╝ssel auf dem Scho├č in der Stube und schnippelte das Obst f├╝r den Obstsalat, w├Ąhrend meine Mutter in der K├╝che die Gans im Auge behielt. Mein Bruder und ich testeten die Weihnachtsgeschenke oder halfen mal hier und mal da. Dazu lief im Fernsehen “Zwischen Fr├╝hst├╝ck und G├Ąnsebraten”.

Irgendwann wurden wir Kinder gro├č, zogen aus und gr├╝ndeten eigene Familien. Zur Bescherung sitzen wir immer noch zusammen und die Runde ist nicht kleiner, sondern gr├Â├čer geworden. Doch es ist anders als fr├╝her. Am ersten Feiertag gibt es immer noch die Weihnachtsgans bei meinen Eltern. Auch wenn die Gans unver├Ąndert lecker ist, schmeckt der Obstsalat zum Nachtisch irgendwie anders als fr├╝her. Vielleicht liegt das daran, dass ich in einem Land gro├č geworden bin, in dem es haupts├Ąchlich ├äpfel und Kubaorangen gab. Trotzdem fanden sich im Obstsalat auch Apfelsinen, Mandarinen und Bananen. Die Tage vorher St├╝ck f├╝r St├╝ck zusammengekauft, wurden sie in einem Korb im kalten Schlafzimmer aufbewahrt f├╝r die Feiertage.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass nicht mehr gemeinsam geschnippelt wird. Man trifft sich zum Essen, verbringt gemeinsam den Tag. Abends f├Ąhrt jeder wieder nach Hause und schl├Ąft in seinem eigenen Bett.

Und so kommt es, dass meine S├Âhne sich an ganz andere Gepflogenheiten erinnern, wenn sie an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit zur├╝ckdenken.

Wie auch immer Ihr die Feiertage verbringt, in kleiner Runde oder gro├čer, zu Hause, bei Freunden, im Urlaub oder in der Stammkneipe – ich w├╝nsche euch ein sch├Ânes Fest.

Wei├če Weihnacht? – Nein danke!

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Ich kann gar nicht verstehen, warum ├╝berall jeder nach einer wei├čen Weihnacht schreit. Kein Wetterbericht, der nicht sein tiefstes Bedauern ausdr├╝ckt, dass es wohl nichts wird in diesem Jahr. Auch rings um mich herum lauter Stimmen, die nach Niederschl├Ągen an den Feiertagen verlangen.

Aber warum? Wegen der schaurigschrecklichen, kitschigen Postkartenromantik? Oder damit alle unaufger├Ąumten Dreckecken zum Fest mit einer wei├čen Haube ├╝berzogen werden?

Hab ihr schon vergessen, …

… wie ├Ąrgerlich es ist, wenn wegen des Schnees auf den Schienen oder vereister Oberleitungen der Nahverkehr nicht oder nur sporadisch f├Ąhrt?

… wie anstrengend es ist, wenn man erst m├╝hselig sein Auto freilegen muss, was besonders angenehm ist, wenn sich unter der Schicht Pulverschnee eine dicke Eiskruste an die Scheibe klammert?

… dass die ohnehin schon angespannte Parkplatzsituation dann noch prek├Ąrer wird, weil eine Anzahl Parkpl├Ątze vom Schnee besetzt und unbenutzbar ist?

… dass der Schnee nach sp├Ątestens einem Tag ohnehin nicht mehr wei├č sondern grau und stellenweise schwarz ist? Nichts f├╝hrt uns den Dreck, den unsere St├Ądte produzieren, deutlicher vor Augen, als ein paar Zentimeter Schnee.

… dass der Schnee ja auch irgendwann wieder wegtaut, was dann zu nassen Schuhen und einer Rutschpartie durch Pf├╝tzen ├╝ber vereistem Grund f├╝hrt? Besonders angenehm, wenn nachts das Wasser wieder gefriert und man morgens ├╝ber eine riesige Schlitterbahn zur Arbeit rutschen kann.

Nein, ich mag den Winter so, wie er gerade ist, so herrlich tr├╝b und grau. Ich freue mich ├╝ber ein paar Sonnenstrahlen zwischendurch, dass ich keine langen Unterhosen brauche um Erfrierungen an den Beinen zu vermeiden, dass ich meine Handschuhe auch mal ausziehen kann, ohne dass die Finger sofort rot und klamm sind, dass ich morgens in mein Auto steigen und zur Arbeit fahren kann, ohne mich erst als R├Ąumdienst zu bet├Ątigen.

Wenn ich es romantisch haben m├Âchte, kuschle ich mich in meiner weihnachtlich dekorierten Stube auf mein rotes Sofa, mache ein paar Kerzen an, h├Âre sch├Âne Musik und verliere mich in meinem Buch. Zum Schnurren.

Stra├čenbahn

Fast jeden Tag fahre ich mit der Stra├čenbahn zur Arbeit und wieder zur├╝ck. Meist krame ich, kaum dass ich einen Platz ergattert habe, mein “Buch” aus der Tasche und verziehe mich in fremde Welten.

Heute ist das anders, heute mache ich auf dem Heimweg einen Zwischenstopp. Da lohnt es nicht, das “Buch” aus der Tasche zu holen. Statt dessen beobachte ich ein bisschen die anderen Fahrg├Ąste.

Vor mir stehen zwei Frauen. Sie unterhalten sich. Das hei├čt, eine der beiden spricht. Nicht so laut, dass es durch die ganze Bahn schallt, aber doch laut genug, dass ich mith├Âre, ohne besonders zu lauschen. Sie spricht offensichtlich von beruflichen Dingen. Die Rede ist von Regulierung und Ma├čnahmen, die geeignet sein m├╝ssen. Von ├ťberregulierung, die alles nur noch verschlimmbessert und der Notwendigkeit abzuw├Ągen. Ihre “Gespr├Ąchspartnerin” kommt allenfalls mal dazu, zustimmend zu nicken oder eine kurzes “Ja”, “Aha” oder “Verstehe.” einzuwerfen. Endlich kommt die Station, an der sie aussteigen muss (darf).

Die zur├╝ckgebliebene Sprecherin lehnt l├Ąssig an der Scheibe, befriedigt und selbstbewusst, noch ganz im Hochgef├╝hl der eigenen Kompetenz.

Ich kenne das Gef├╝hl auch. Da mache ich mir ├╝ber eine Frage Gedanken. ├ťberdenke meine Argumente und formuliere sie im Kopf immer wieder neu. Dann bin ich froh, wenn ich jemanden finde, dem ich sie darlegen kann und der mir geduldig zuh├Ârt. Am allerbesten nat├╝rlich, wenn er dann auch noch zustimmend nickt und ab und an ein “Verstehe” oder “Da hast du recht” einwirft.*

So muss es der Frau in der Stra├čenbahn auch gegangen sein. Vielleicht hat sie ihren Monolog auch nicht zum ersten Mal dargeboten – es h├Ârte sich jedenfalls so an. Nun geht es ihr gut. Sie streut ein paar Gl├╝ckshormone aus und f├Ąhrt zufrieden nach Hause.

Ich habe mir meinen Gl├╝cksmoment auch verschafft und diesen sinnvollen Beitrag verfasst. Und wenn du ihn bis zu Ende gelesen hast, hatte auch ich meinen “Zuh├Ârer” und kann zufrieden nach Hause fahren. :-)

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* Dieser Abschnitt wurde ├╝berarbeitet. Findest du den Unterschied? Hier ist die erste Fassung.

Ich kenne das Gef├╝hl auch. Da macht man sich ├╝ber eine Frage Gedanken. ├ťberdenkt seine Argumente und formuliert sie im Kopf immer wieder neu. Da ist man froh, wenn man jemanden findet, dem man sie darlegen kann und der einem geduldig zuh├Ârt. Am allerbesten nat├╝rlich, wenn er dann auch noch zustimmend nickt und ab und an ein “Verstehe.” oder “Da hast du recht.” einwirft.

Dir ist es aufgefallen? Da war ich doch tats├Ąchlich dabei, mich hinter einem anonymen “man” zu verstecken. Dabei gibt es nichts, was feiger und unehrlicher ist. Wer ist “man”? Ich bin es nicht, und du wahrscheinlich auch nicht. Wer von “man” redet, meint eine anonyme Masse, von der niemand so richtig wei├č, wer dazugeh├Ârt. Und also ist alles, was derjenige ├╝ber “man” aussagt, wenig aussagekr├Ąftig. Es geh├Ârt schon eine gewisse Aufmerksamkeit dazu, und ein bisschen Mut , auch “ich” zu sagen, wenn ich mich meine, und mich nicht hinter einen grauen Masse zu verstecken. Aber ich kann es lernen, und du auch.

Fr├╝hling im Supermarkt

Heute habe ich zugeschlagen und mir die ersten Fr├╝hlingsboten aus dem Supermarkt in meine Wohnung geholt. Schon vor Wochen hab ich sie dort liegen gesehen und mich gefreut – der Fr├╝hling naht.

‘Was, schon Anfang Januar? Ist das nicht eigentlich noch tiefster Winter?’, meldet sich ein kleiner Gedanke im Hintergrund.

‘Geh weg!’, versuche ich ihn zu verscheuchen. Aber er dr├Ąngelt sich zur├╝ck.

‘Wenn p├╝nktlich am ersten September der Supermarkt voll ist mit Lebkuchen und Dominosteinen, meckerst du auch.’

Und richtig, dann will ich den Sommer noch festhalten und nicht an K├Ąlte, Dunkelheit und Weihnachten denken. Also hatte ich meine Scheuklappen ausgepackt und die Regale mit all dem Weihnachtskrempel, den der Handel so nett als “Herbstgeb├Ąck” bezeichnet, fortan ignoriert. Und das so nachhaltig, dass mir erst ein paar Tage vor dem Fest auffiel, dass ich den ganzen Advent ├╝ber keine einzige Packung Dominosteine und keine T├╝te Lebkuchen gekauft hatte. Als ich dieses Vers├Ąumnis nun nachholen wollte, war es zu sp├Ąt. Die Vorr├Ąte waren weg, nur noch ein paar Reste von Keksen, die ich nicht wollte. Ich zuckte die Schultern und dachte, das n├Ąchste Weihnachten kommt bestimmt.

Und nun? Gleiche Situation mit anderen Vorzeichen. Der Winter kann mir gestohlen bleiben. Ich freue mich jetzt schon auf den Fr├╝hling, dass es hell ist, wenn ich aufstehe, die ersten hellgr├╝nen Spitzen aus der Erde lugen und ich am Morgen von Vogelgezwitscher geweckt werde.

Ich ersticke die Frage, wo die Blumen wohl herkommen, wo es doch eigentlich noch zu fr├╝h ist f├╝r Osterglocken und Narzissen, stelle meinen politisch v├Âllig unkorrekten Strau├č in die Vase und tr├Ąume vom Fr├╝hling.

Gedankennebel

Verzweifelt schaue ich auf meinen Blog. Schon seit Ewigkeiten kein neuer Beitrag mehr. Und auch der letzte ist nicht wirklich neu, ist nur zur passenden Zeit nach dem Umzug aus der Kiste gekramt, ein bisschen entstaubt und wieder aufgeh├Ąngt worden. Also Zeit f├╝r etwas Neues!

Denke ich – und starre auf den wei├čen Bildschirm. Da guckt es mich an, das leere unbenannte Dokument, streckt mir die Zunge raus und grinst. Die Gedanken perlen an ihm ab, lassen sich nicht greifen und zu etwas Sinnvollem zusammenf├╝gen. Entnervt stehe ich auf und verschwinde erst mal Richtung K├╝che.
Zigarettenpause = Denkpause.

Denkste! Heute schwebt mein Kopf in undurchdringlichem Nebel. Er f├╝hlt sich an wie mit Watteb├Ąuschchen gef├╝llt, in der Mitte ein schwarzes Loch, das auch noch den kleinsten Gedankenblitz sofort zum Erl├Âschen bringt.

Ich seufze und beschlie├če: Schluss f├╝r heute. Ich werd mal noch ein bisschen daddeln. Und schon wandert der Mauszeiger wie von selbst zum nicht mehr vorhandenen Startbutton. Wenig sp├Ąter schreckt mich das Ger├Ąusch von neunundneunzig explodierenden Bomben auf. Der Nebel ist verschwunden – ich bin wieder da. Aber der Artikel…