Musik

Lieber Herbert,

ich hatte gerade eine Begegnung der dritten Art.

Schon vor einigen Tagen hörte ich die AnkĂĽndigung. Doch wie so vieles rauschte die Nachricht an mir vorbei. Doch nun erlebe ich es mit eigenen Ohren. Live ĂĽber den Ă„ther höre ich – Grönemeyer in Englisch. Und ich frage mich: “Was soll das?”

Herbert, ich mag deine Songs. Schon als Teenager habe ich Bochum und Ö hoch- und runtergedudelt. Später hat mich dann Mensch total von den Socken gehauen.

Zu dieser Zeit sagte mein Onkel zu mir:
“Ich weiĂź gar nicht, was die alle an diesem Grönemeyer finden. Der Mensch kann nicht singen und seine Lieder klingen sowieso alle gleich.”
Ich antwortete darauf:
“Damit magst du vielleicht Recht haben, aber das, was die Lieder so unverwechselbar macht, sind zu allererst die Texte. Der Mann hat etwas zu sagen. Und er schafft es, seine Gedanken in Worte zu fassen auf eine Weise, die irre ist und die man immer wieder anhören kann. Jedes Lied erzählt seinen eigene Geschichte und in vielen kann man sich selbst wiederfinden.”

Und nun das. Bekannte Melodie, bekannter Text. Doch statt mitzusingen und zu genießen lausche ich nur befremdet den unbekannten Worten. Versuche zu ergründen: Erzählt der Song nun das Gleiche in einer anderen Sprache? Oder hat er seinen Inhalt geändert? Und frage mich: Tut das Not?

FĂĽr mich steht die Antwort fest. Nein.

Lieber Herbert, experimentieren ist gut und schön. Aber ich brauch’s nicht. Schenk uns lieber noch ein paar tolle Lieder in deiner und meiner Muttersprache. Solche mit Textzeilen zum Behalten. So was wie

  • Warum in Seinem Namen? Wir heiĂźen selber auch. (StĂĽck Vom Himmel)
  • Ich bin eine deiner Farben, kannst sie nehmen, kannst sie tragen, kannst sie bleichen. (Demo (Letzter Tag))
  • FĂĽhl mich unbewohnt (Unbewohnt)
  • Hab Flugzeuge in meinem Bauch (Flugzeuge im Bauch)

Also, bis demnächst.

fellida

Flieg ich durch die Welt

Ich habe mich entschieden.

Ich weiß jetzt, wer sie anführt, meine Best-Ever-Top-Ten-Favourite-Song-Liste. (Wer Nick Hornby’s „High Fidelity“ gelesen hat, weiß, was ich meine.) Aber keine Studioaufnahme, auch nicht irgendein Live-Mitschnitt. Am besten ist der Song, wenn man inmitten hunderter Menschen vor einer Bühne steht, auf der fünf spärlich oder gar nicht behaarte Musiker agieren. Links die Gitarre mit Hut. In der Mitte der kahlköpfige Sänger, der den recht surrealistischen Text interpretiert und mich unweigerlich an Bilder von Chagall denken lässt. Rechts der bulgarische Teufelsgeiger, der seinem Instrument immer neue irre Töne entlockt, es wie einen Vogel zwitschern lässt, um endlich raketengleich zum Himmel aufzusteigen. – Gänsehaut. Jedes Mal neu, jedes Mal anders, jedes Mal noch besser.

Was, du hast sie noch nicht live erlebt? Dann wird es Zeit. Spätestens im nächsten Jahr hast du die Gelegenheit. Da machen sie eine Tour, um ihren 100sten zu feiern. Naja, eigentlich standen sie vor 40 Jahren das erste Mal zusammen auf der Bühne. Aber der Toni hat gesagt, er möchte gern das Hundertjährige feiern, und er hat so die leise Befürchtung, dass sie, wenn es so weit ist, nicht mehr ganz fit sein könnten. Also ziehen sie es ein bisschen vor und begehen zwei Jubiläen zusammen.

Man merkt ihnen den Spaß am Musizieren und am Kommunizieren mit dem Publikum an. Intelligente Texte, eine unverwechselbare Stimme, dazu der typische Sound – da springt der Funke über und man geht mit dem Gefühl nach Hause: Das war ein toller Abend!

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Ich soll euch grüßen von Klaus, von Manfred, von Joro, von Fritz und von Toni. Ich war bei City!